Kapuziner  (2852 m)

Über die Obere Pfandlscharte und den Südostgrat                                                                                                                                      Schwierigkeit: T4

Kapuziner - Margaritzenstausee und Sinwelleck - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Von der Margaritzensperre (2000 m) geht der Blick hinauf zum mächtigen Sinwelleck (3261 m; links) und zum unscheinbaren Kapuziner (2852 m), der rechts das letzte Gipfelchen in der Sonne bildet. Ganz rechts das Glocknerhaus an der Hochalpenstraße.

 

Der Kapuziner (2852 m) ist ein Gipfelziel am Ostrand der Glocknergruppe, das sich im Rahmen einer kurzen Bergtour von der Großglockner-Hochalpenstraße erreichen lässt. Ausgangspunkt ist ein kleiner Parkplatz auf Höhe des Nassfeldspeichers (2248 m), kurz vor Erreichen der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.

 

Die Anforderungen der Besteigung liegen im Rahmen einer „Alpinwanderung“, bei der zum Schluss ein sehr brüchiger und abschüssiger Steilhang ohne Trittspuren erstiegen werden muss. Dafür braucht man neben absoluter Trittsicherheit die nötige alpine Erfahrung. Angesichts der wenigen Steinmännchen muss man sich in dem weitläufigen Gelände selbständig orientieren.

 

Der Kapuziner ist völlig einsam, hier kommt niemand zufällig vorbei. Vielleicht nimmt man ihn sich an einem Tag vor, an dem die Zeit oder die Kräfte knapp sind. Schließlich eignet sich nicht jeder Wandertag für die großen Ziele. Jedenfalls bietet er wahrscheinlich ein großartiges Panorama vom Käfer- und Ferleitental bis hinauf zum Großen Wiesbachhorn und zu den anderen hohen Gletscherbergen – ein Panorama, das mir aufgrund der starken Wolkenbildung am 20. August 2018 leider verwehrt blieb. Das Gelände selbst ist meist gut gangbar, lediglich der erwähnte „Bröselhang“ unter dem Gipfel erfordert erhöhte Aufmerksamkeit und einiges Können.

 

Meine Kapuziner-Besteigung war das Resultat einer gescheiterten größeren Tour. Vom höchsten Punkt des Kapuziners beabsichtigte ich die Besteigung der Dreitausender Sinwelleck (3261 m) und Fuscherkarkopf (3331 m). Aus mehreren Gründen - das Wetter war einer von ihnen - musste ich die Gratüberschreitung jedoch bereits am ersten Gipfel, dem kleinen Kapuziner, abbrechen. Wer über die lange Gratüberschreitung zu Sinwelleck und Fuscherkarkopf mehr wissen will, kann sich meine Anmerkungen unter dem letzten Foto einmal durchlesen.

Kapuziner - Nassfeldspeicher Aufstieg - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Der Aufstieg vom Nassfeldspeicher führt hinauf zu diesem Platz (circa 2400 m), der Gamsöfen genannt wird. Ein Zufluchtsort für Gämsen bei Schlechtwetter?
Kapuziner - Schartenkogel - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
In 2700 Metern Höhe breitet sich unter dem Schartenkogel (2857 m; im Hintergrund) eine „Wüste“ aus Bratschenschutt aus.
Kapuziner - Obere Pfandlscharte, Blick zum Südostgrat - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
In der Oberen Pfandlscharte (2730 m; vorne) setzt der Südostgrat des Kapuziners an. Der Gipfel steht hinten in der Mitte, links davon die Kapuzinerscharte.
Kapuziner - Sinwelleck Vorgipfel - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Vom steilen Südostgrat des Kapuziners geht der Blick zum Sinwelleck (in Wolken) und zu dessen östlichem Vorgipfel (3042 m; rechts).
Kapuziner - Heiligenbluter Freiwand - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Der sägeartige Kamm der Heiligenbluter Freiwand (3034 m), dahinter links das Schwerteckkees.
Kapuziner - Südostgrat, Obere Pfandlscharte - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Tiefblick über den soeben begangenen Südostgrat hinab zur Oberen Pfandlscharte: Der Fels ist so morsch, dass man lieber die erdigen Stellen als Tritte wählt.
Kapuziner - Südostgrat, Blick zum Nassfeldspeicher - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Stationen am Aufstiegsweg: Vorne links die Obere Pfandlscharte, darüber das zuvor überquerte Schuttplateau, rechts Nassfeldspeicher und Margaritzenspeicher.
Kapuziner - Gipfel, Blick zum Vorgipfel des Sinwelleck - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse, Kärnten
Immer noch leicht vernebelt war die Aussicht vom Kapuziner-Gipfel. Im Bild die mächtige Gestalt des Sinwelleck-Vorgipfels (3042 m).
Kapuziner - Kapuzinerscharte, Kletterei in brüchigem Fels - Bergtour, Großglockner Hochalpenstrasse

Vom Kapuziner ist man mit wenigen Schritten in der Kapuzinerscharte mit ihrem horizontalen und ausgesetzten Grat. Wer hier weiter nach Westen klettert, kann am Ende das Sinwelleck (3261 m) über den Ostgrat besteigen, dann den Fuscherkarkopf (3331 m) überschreiten und über den Gamsgrubenweg (Südwestgrat) zum Glocknerhaus zurückkehren. Eine große Tour für ausdauernde Bergsteiger, die auch im mürben Bratschenfels sicher einen ersten und zweiten Grad klettern können. Aus Neugier habe ich mich in der Kapuzinerscharte am abgebildeten ersten Grattürmchen probiert und muss sagen, dass mir die Kombination aus Brüchigkeit und Ausgesetztheit nicht behagte. Vielleicht war es auch fehlende Entschlossenheit, die mich so schnell davor zurückschrecken ließ. Allen, die sich an den langen Grat wagen, ist jedenfalls trockenes Wetter anzuraten, damit das Ganze nicht noch rutschiger wird.