Zaubernock (2944 m)

Vom Hochalmsee über den Westgrat                                                                                                                                                                  Schwierigkeit:  ZS-

Zaubernock - Zaubernock und Hochalmspitze - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Der Zaubernock (rechts) vom südlich gelegenen Riedbock. Links die Westflanke, über die der Normalweg hinaufkommt, hinten die Hochalmspitze.

 

 

Der Zaubernock, der auch Zauberernock genannt wurde, erweckt bei Menschen wie mir allein schon durch seinen Namen Interesse. Was hat er wohl zu bedeuten? Der österreichische Sprachwissenschaftler und Namensforscher Prof. i. R. Heinz-Dieter Pohl (OeAV-Dokumente, Nr. 6, Die Bergnamen der Hohen Tauern, 2009) gibt den Hinweis, dass noch vor 200 Jahren „die schadenschwangeren Hagelwetter für jeden Bauern die Folgen üblen Hexenzaubers“ waren. Aus dieser abergläubischen Sicht gab es Hexenkögel, Zauberberge, Unholde und Bösen Weibele - allesamt „Wetterberge, die einen schlechten Ruf hatten“. Und so kam vielleicht auch der Zaubernock zu seinem Namen.

 

Der Zaubernock (2944 m) ist nach dem Reißeck (2965 m) der zweithöchste Berg der Reißeckgruppe. Der Berg hat einen interessanten und schönen Normalweg von Westen, den ich am 23. Juni 2020 nach einer Übernachtung in der Oberen Mooshütte (Selbstversorgerhütte) kennen lernte und den ich hier vorstelle. Es ist eine unmarkierte Route, die aber bei gutem Wetter keine großen Orientierungsprobleme verursacht. Bis in eine Höhe von mehr als 2800 Metern hat man es mit recht gut gangbarem Gelände zu tun (Plateaus, Moränen, mäßig steile Firnfelder), zumindest im Frühsommer. Im Hochsommer wird man es auch mit mehr oder weniger stabil gelagertem Blockschutt zu tun bekommen. Oberhalb einer Höhe von circa 2850 Metern begeht man dann den landschaftlich großartigen und sehr aussichtsreichen Westgrat des Zaubernocks. Den Blick fesseln Hochalmspitze, Tristenspitze und die Ritterspitzen, auf der Nordseite des Grates schwitzt der letzte Gletscherrest der Reißeckgruppe, das Schwalbenkees. Schließlich erreicht man die drei Gipfeltürmchen des Zaubernocks, die bereits unten im Riekental zu erkennen waren.

 

Es folgt ein Finale, das es in sich hat. Der nordwestliche Turm, den man am Normalweg als ersten erreicht, ist von seiner Rückseite schnell erklettert (wenige Meter im 1. Grad). Auf dem schmalen Gipfelchen erkennt man allerdings, dass man sich nur auf dem zweithöchsten Punkt des Zaubernocks befindet. In Wurfweite entfernt steht das Kreuz auf dem „dritten“ Turm, dem Hauptgipfel. Er ist der südöstlichste der drei Türme und knapp einen Meter höher als der Nordwestturm. An ihm habe ich mir die Zähne ausgebissen, ohne ihn zu erreichen. Am Hauptturm wartet eine Kletterei in fast senkrechtem Fels, die für Normalsterbliche Seilsicherung erfordert. Nachdem ich knapp die Hälfte dieser 11 Meter geklettert (und den Rest in Augenschein genommen) habe, schätze ich die Schwierigkeiten folgendermaßen ein: Überwiegend zweiter Grad mit Stellen 2+, vielleicht auch 3-. alles in gutem Fels. Die Kletterei ist ausgesetzt und verlangt absolute Schwindelfreiheit. Deswegen habe ich meinen Alleingang in fünf Metern Höhe beendet und mich mit dem NW-Gipfel zufriedengegeben.

 

Der Zaubernock lohnt sich jedoch auch ohne den Hauptgipfel. Wer nur den nordwestlichen Gipfel (circa 2943 m) besteigt, hat dieselbe Aussicht, bewegt sich aber nur im Schwierigkeitsgrad T4 („Alpinwanderung“). Absolute Trittsicherheit und gute hochalpine Erfahrung für Firn, Blockhalden und Kletterstellen im 1. Grad sollte man mitbringen.

Zaubernock - Zandlacher Hütte und Riekental - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Früher Morgen bei der Zandlacher Hütte. Im Hintergrund der Riekenfall und links darüber der Zaubernock mit seinen drei Gipfeltürmchen (für den, der gute Augen hat).
Zaubernock - Geißrücken am Riekenfall - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Oberhalb der Zandlacher Hütte ist der Geißrücken (Mitte) der anspruchsvollste Teil des Aufstiegs zur Oberen Mooshütte. Rechts der Riekenfall.
Zaubernock - Sicherungen am Geißrücken - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Am Geißrücken geht es über etwa 150 Meter ausgesetzt, aber gesichert hinauf.
Zaubernock - Untere Mooshütte - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Um die Untere Mooshütte (circa 2010 m) ist es großartig. Ich habe Wanderer kennengelernt, denen dieser Ort einen ganzen Wandertag wert ist.
Zaubernock - Obere Mooshütte - Bergtour, Zandlacher Hütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Die Obere Mooshütte (2320 m) ist erreicht. In der Selbstversorgerhütte habe ich recht komfortabel übernachtet.
Zaubernock - Hochalmsee - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Am nächsten Morgen begann ich mit der Besteigung. Vom Hochalmsee fädelt man rechts in die verfirnte Rinne ein, die in den Schneekessel unter dem Zaubernock führt.
Zaubernock - Rinne über dem Hochalmsee - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Der Gamolnigspitz (2788 m) und der Törlkopf (2769 m) über dem Hochalmsee. Im Vordergrund die zuvor erwähnte, verfirnte Rinne.
Zaubernock - Plateau unter dem Riekener Sonnblick - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Nach der kleinen Rinne folgt gutes Wandergelände auf einem Plateau, das vom Riekener Sonnblick (2875 m) überragt wird.
Zaubernock - Gwändscharte - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Unter der Gwändscharte (links außerhalb des Bildes) ziehen mäßig steile Firnfelder hinauf zum Westgrat des Zaubernocks. Man erreicht den Grat ungefähr in Bildmitte.
Zaubernock - Westgrat - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Am Westgrat angekommen - auf circa 2850 Metern Höhe - weitet sich das Panorama. Im Westen stehen Riekener Sonnblick, Riekenkopf und Tristenspitze.
Zaubernock - Oberer Westgrat - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Der Westgrat war Ende Juni noch teilweise überwächtet. Im Blick voraus die Gipfeltürme des Zaubernocks (Mitte) und der Ritterspitze (links).
Zaubernock - Nordwestlicher Gipfel - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Die drei Gipfeltürme, wie man sie schon vom Riekental oder vom Hochalmsee gesehen hat. Den linken der drei, den "Nordwestturm", konnte ich gut erklettern.
Zaubernock - Am nordwestlichen Gipfel - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Blick vom nordwestlichen Turm auf den im Südosten stehenden Hauptturm. Das Kreuz markiert den höchsten Punkt des Zaubernocks (2944 m).
Zaubernock - Hauptgipfel Südostkante - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Der Hauptturm mit seiner sehr steilen Südwestwand, über die der einfachste Anstieg verläuft. Der Einstieg befindet sich etwas links der Mitte.
Zaubernock - Hauptgipfel mit Kletterei bis 2+ - Bergtour, Obere Mooshütte, Reißeckgruppe, Kärnten
Wie das Foto zeigt, begann es mit einem Spreizschritt (2+) und einer ansteigenden Querung nach rechts. In fünf Metern Höhe querte ich ausgesetzt wieder nach links (2+). Weiter habe ich mich ohne Seilsicherung nicht getraut.