Kreuzeck  (2702 m)

Vom Kaltseetörl über den Ostgrat

Schwierigkeit:  T5

Das Kreuzeck mit dem Ostgrat (T1 = 1. Ostgratturm, T2 = 2. Ostgratturm) und dem Normalweg. K gibt die ungefähre Position des Kaltseetörls an, G das Glenktörl.
Das Kreuzeck mit dem Ostgrat (T1 = 1. Ostgratturm, T2 = 2. Ostgratturm) und dem Normalweg. K gibt die ungefähre Position des Kaltseetörls an, G das Glenktörl.

 

Bewertung:  T5

„Anspruchsvolle Alpinwanderung“ mit einer kurzen, ausgesetzten Kletterstelle im Schwierigkeitsgrad 2+, ansonsten im Bereich zwischen dem 1. Grad und 2- sowie mit großen Anteilen an Gehgelände. Oft fester Fels (auch in der Schlüsselstelle), selten brüchig oder schuttbedeckt. Am unmarkierten Ostgrat gibt es Steinmännchen nur auf einzelnen Graterhebungen, Steigspuren nur im ersten Abschnitt. Es ist eine Bergtour für alpin klettererfahrene und schwindelfreie Bergsteiger. Sie erfordert selbständige Orientierung, die allerdings nicht so schwierig ist, da man kaum einmal von der Gratlinie abweicht. Wer die zwei schwierigsten Passagen sichern möchte, muss seine Standplätze selbständig einrichten und entsprechendes Material mitnehmen. Der Abstieg über den Normalweg ist erheblich leichter (T3) und sehr gut rot-weiß markiert.

 

Ausrüstung: Eventuell Seil und Opferschlingen (für erfahrene Kletterer verzichtbar)

 

Routenverlauf: Feldnerhütte – Kaltseetörl – Ostgrat – Kreuzeck – Normalweg (Südgrat) - Feldnerhütte.

 

Höhenunterschiede: 590 Höhenmeter im Aufstieg, 70 Höhenmeter im Abstieg.

 

Gehzeiten: 4.00 Std. (3.00 Std. im Aufstieg, 1.00 Std. im Abstieg).

 

Anfahrt: Mit dem PKW / Taxi ins Mölltal und ab Stall/Pußtratten ins Wöllatal oder ab Reißeck/Kohlstatt ins Teuchltal. Oder mit dem PKW / Taxi ins Drautal bis Greifenburg und hinauf zum aufgegebenen Gasthof Edelweiß.

 

Ausgangspunkt: Feldnerhütte (2186 m); ÖAV Steinnelke (Wien); Kontaktaufnahme über Whatsapp und Whatsapp-Telefon unter 0043 / 676 / 7481172.

Zu erreichen aus dem Wöllatal ab dem Parkplatz unter dem Stausee (circa 1500 m) in 3:30 Std.,

aus dem Teuchltal ab dem Parkplatz unter’m Alpenheim (1170 m) in 5:30 Std,

aus dem Gnoppnitztal ab dem Gasthof Edelweiß (1091 m) in 5:30 Std..

 

 

Der Wegverlauf: Von der Feldnerhütte (2186 m) folgt man dem markierten Steig Nr. 335 in nördlicher Richtung mit den Zielen Kaltseetörl und Teuchl. Nach ein paar Metern Abstieg überquert man den Seebach und steigt auf den flachen Grasplateaus auf, bis der Steig beim Queren unter einer Felswand steiler wird. Nach einer etwas ausgesetzten Stelle dort setzt sich der nur mäßig steile Anstieg fort und man erreicht den unteren Rand der Mulde, in der der Kaltsee (circa 2380 m) liegt. Der Steig führt links am Westufer entlang und zieht dann steil hinauf zum Kaltseetörl (2481 m), wo der Ostgrat des Kreuzecks beginnt.

 

Vom Einstieg wendet man sich dem grasigen Hang zur Linken zu und trifft dort früh auf Steigspuren, die sich meist links, das heißt, am Rand der Südabstürze halten. Trotz einiger etwas ausgesetzter Stellen kommt man auf diesen Steigspuren am besten voran. Ein paar plattige Felsen werden ebenfalls links auf Spuren umgangen. Eine blockige Stufe lässt sich hingegen besser rechts umgehen. Kurz darauf gelangen wir auf eine große Gratverebnung, die in einem schönen Bogen hinüber zu einem Gipfel zieht, den ich hier den „ersten Ostgratturm“ nenne und der uns noch hoch überragt. Auf dem grasigen Rücken geht es bequem hinauf auf den höchsten Punkt des Plateaus (2588 m). Die erreichte Höhe kann man übrigens gut am Dechant (2609 m) auf der anderen Seite des Kaltseetörls messen.

 

Vom Punkt 2588 geht es zunächst einmal auf dem blockigen Gratkamm bergab. Man bleibt auf der Gratlinie, nur eine steile, plattige Stufe umgeht man besser auf den Grasbändern links. Wir erreichen den Sattel (2572 m) am tiefsten Punkt. Auf der anderen Seite des Sattels geht es auf grasigem Hang ungefähr 30 Meter bergauf, dann stellt uns der „erste Ostgratturm“ die erste Kletterschwierigkeit entgegen. Steil und luftig türmt sich der Grat auf den nächsten 25 Metern über uns auf. Zugleich beginnt zu unserer Linken ein breites und horizontales Band, das angesichts der Steilstufe verlockend erscheint, aber uns meiner Ansicht nach nicht weiterbringt. Die 25-Meter-Steilstufe beginnt mit festem, stufigem Fels, benutzt dann auch grasige Tritte und führt entlang einer Art Rinne hinauf, bis flacheres Gelände erreicht wird (25 Meter 1. Grad mit zwei Stellen 2-). Nach einer flachen Stelle folgen Felsplatten und grasige Bänder, die aber nicht mehr die Steilheit der ersten Stufe haben (30 Meter 1. Grad mit einer Stelle 1+). Wir erreichen den Gipfel des „ersten Ostgratturms“ (circa 2660 m), einem prächtigen Vorgipfel des Kreuzecks.

 

Die folgenden Erhebungen sind wenig prägnant und allenfalls geringfügig höher als der „erste Ostgratturm“. Die erste von ihnen wird nach kurzem Abstieg und Wiederaufstieg leicht erreicht. Die beiden felsigen Gebilde, die folgen, habe ich rechts (Nordseite) umgangen. Die nächsten beiden Grathöcker werden wieder über Blöcke bestiegen. Anschließend geht es abwärts und zuletzt vorsichtig über eine 15 Meter hohe, steile Stufe hinab in eine enge Scharte (1. Grad). Das nächste Türmchen wird links umgangen, man erreicht die nächste Scharte, die unter dem „zweiten Ostgratturm“ liegt. Über plattigen Fels direkt hinauf, dann auf Grasstufen, Blöcken und über eine weitere plattige Stelle (eine Stelle 1+, eine weitere Stelle im 1.Grad) hinauf auf den Gipfel des „zweiten Ostgratturms“ (circa 2680 m). Dieser ist eine äußerst markante Erscheinung mit allseits steilen Felsabbrüchen.

 

Der Abstieg vom „zweiten Ostgratturm“ nach Westen bildet die Schlüsselstelle der Ostgratüberschreitung: Man steigt vorsichtig in einen nach Nordwesten offenen Felstrichter hinein. Achtung geben auf schuttbedeckte Tritte und einzelne lose Griffe! Der Trichter verengt sich unten zu einem Kamin, der steil über wenige Meter abbricht, was mir weniger gut geeignet schien. Stattdessen querte ich absteigend nach links an die den Trichter begrenzende Gratkante und noch ein paar Meter weiter auf einen kleinen und ausgesetzten Absatz (12 Meter bis 1+). Es folgt ein sehr steiles, aber zum Glück festes und mit guten Tritten ausgestattetes Wändchen. Luftig klettert man es ab (3 Meter 2+) und erreicht den nächsten Absatz zum Verschnaufen. Mit abnehmenden Schwierigkeiten rechts der Gratkante hinab in einfacheres Gelände.

 

Hinweis: Eine Umgehung des „zweiten Ostgratturms“ ist durch einen umständlichen Abstieg nach Norden von der östlich gelegenen Scharte möglich. Die Geröllhatscherei, die einem fast 100 Meter Höhenverlust einträgt, erscheint wenig reizvoll, auch verliert die Ostgratüberschreitung ihren Gratcharakter und damit ihren Reiz. Im Notfall ist es jedoch eine machbare Alternative, um die Schlüsselstelle zu vermeiden.

 

Aus dem erwähnten einfachen Gelände geht es über Schutt und gestuften Fels wieder nach links hinauf auf den Grat. Hier folgen noch ein paar geborstene Türmchen, die man möglicherweise auf der Gratlinie übersteigen kann. Man kann aber auch, wie ich es gemacht habe, gleich nach links zu den sichtbaren Farbmarkierungen des Kreuzeck-Normalwegs queren. Wenige Minuten später ist man am Gipfelkreuz des Kreuzecks (2702 m).

 

Abstieg am Normalweg: Ohne Probleme findet man auf der Südseite des Gipfels die Markierungen des Normalwegs. Der Steig bahnt sich seinen Weg durch den schuttbedeckten oberen Teil, wo sicherlich Trittsicherheit angebracht ist. Bald darauf bewegt man sich entlang des Südgrats mit seinen nach Westen gerichteten Abstürzen. In ungefähr 2460 Metern Höhe stoßen wir auf den Abzweig zum Glenktörl (rote Aufschrift „Stall“ auf einem Stein) und halten uns links, wo ein Schild in Richtung „Feldnerhütte“ weist. Über allmählich flacher werdende Geländestufen geht es hinab zu einer wunderschönen Anhöhe (circa 2220 m) unmittelbar über dem Glanzsee. Wenig später sind wir zurück an der Feldnerhütte (2186 m).

 

© Ulrich Clashausen