Keilbachspitze  (3093 m)

 Aus dem Südtiroler Ahrntal über das Frankbachtal (Normalweg)

 Schwierigkeit:  WS

Der Normalweg auf die Keilbachspitze aus Sicht des Großen Löfflers (im Jahr 2012). Die Pfeile im Moränengelände (unten) geben nur ungefähr den heutigen Wegverlauf an, da ich damals weiter links aufgestiegen bin. Im oberen Teil blieb aber alles beim Alten.
Der Normalweg auf die Keilbachspitze aus Sicht des Großen Löfflers (im Jahr 2012). Die Pfeile im Moränengelände (unten) geben nur ungefähr den heutigen Wegverlauf an, da ich damals weiter links aufgestiegen bin. Im oberen Teil blieb aber alles beim Alten.

 

 Bewertung:  WS

 „Wenig schwierige“ Hochtour in rauem Gelände. Aufgrund der Tourlänge und der manchmal dünn gesäten Farbmarkierungen und Steinmänner sollte die Besteigung nur von ausdauernden, orientierungsmäßig selbständigen und in Fels und Firn erfahrenen Bergsteigern angepeilt werden. Die Gipfeltour bringt wenige kurze Stellen im Schwierigkeitsgrad 2- oder 1+. Der blockige Fels ist nicht immer fest, aber kaum ausgesetzt. Am spaltenfreien oberen Eisfeld trifft man auf steilen Firn (oder Eis) bis 40°. Wer das Eisfeld in den linken Begrenzungsfelsen umgeht, bekommt es mit Stellen im 2. Schwierigkeitsgrad zu tun.

 

Ausrüstung: Eispickel und Steigeisen.

 

Routenverlauf: Holzerbödenhütte – Filegger Alm – Gruben – oberes Frankbachtal – Sandraine – Östliches Frankbachkees – oberes Eisfeld – oberster Südgrat – Keilbachspitze – Abstieg auf derselben Route.

 

Höhenunterschiede: 1480 Höhenmeter in Auf- und Abstieg.

 

Gehzeiten:  8:30 Std.   (5:00 Std. im Aufstieg, 3:30 Std. im Abstieg).

 

Anfahrt: Von Bruneck im Südtiroler Pustertal mit dem PKW oder der Serbus-Linie 450 nach Steinhaus im Ahrntal.

 

Ausgangspunkt: Holzerbödenhütte (1897 m; Aufschrift: „Unterholzeralm“); privat; Tel. 0039 / 349 / 7130859. In den Zeiten des Almbetriebs als Jausenstation mit beschränkten Übernachtungsmöglichkeiten (acht Lager) geöffnet. Von Steinhaus im Ahrntal in 2:30 Std. erreichbar.

 

Alternativer Ausgangspunkt: Von den Holzer Höfen (1470 m; von Mühlegg im Ahrntal mit dem PKW erreichbar) durch’s untere Frankbachtal hinauf zur Filegger Alm und weiter wie oben zur Keilbachspitze. Rückweg zu den Holzer Höfen auf demselben Weg: 1770 Höhenmeter in Auf- und Abstieg sowie 9:00 Std. Gehzeit (5:30 Std im Aufstieg, 3:30 Std. im Abstieg) sind zu bewältigen.

 

 

Der Wegverlauf: Früh am Morgen wird man von der Holzerbödenalm (1897 m) den zunächst horizontal verlaufenden Steig Nr. 5 verfolgen, der in den steilen Hangwäldern bereits Trittsicherheit verlangt. Nach etwa 140 Metern Höhenverlust und Wiederaufstieg passiert man die Filegger Alm (1850 m), wo der alternative Zustieg von den Holzer Höfen (über die Jausenstation Bizathütte) einmündet. Kurz darauf stößt man auf das Weidevieh, das den Tag in den flachen Wiesenböden der „Gruben“ (1930 m) verbringt. Felsige Steilhänge umschließen die „Gruben“ und scheinen das untere Frankbachtal abzuriegeln.

 

Man ersteigt von den „Gruben“ (1930 m) die westlichen Hänge (zur Linken) und stößt spätestens im Laufe des Steilhangs auf Steinmännchen und Steigspuren. Auf etwa 2250 m Höhe beginnt man über Gras, Schutt und Blöcke leicht ansteigend nach rechts in Richtung Talmitte zu queren. Dabei trifft man auf rote Farbpunkte. Weit öffnet sich nun das obere Frankbachtal. Das nächste Etappenziel ist die oberhalb bereits sichtbare Stirnmoräne und der Aufstieg dorthin ist relativ bequem. Von ihrem Rand blickt man in eine vom Gletscher geschaffene Verebnung, die Sandraine (ca. 2520 m), in der eine Schafherde den Sommer verbringt. Hier verlässt man die weiter zum Frankbachjoch (2760 m) führende Route.

 

Ab dem Plateau der Sandraine (ca. 2520 m) folgt man den Steinmännern und roten Farbpunkten nach rechts (nordöstlich) und hält auf die zackengekrönte Keilbachspitze zu. An einem mit senkrechten Felsen abfallenden Pfeiler geht man links vorbei. In steilem Aufstieg erreicht man, zuletzt rechtshaltend, den blockigen Felsrücken, dessen senkrechten Abbruch man unterhalb umgangen hatte. Auf dem blockigen Felsrücken geht es geradlinig bergauf, links wird er bald vom Frankbachkees flankiert. Die Felsen sind nicht immer fest und es gibt ein paar Stellen im ersten Schwierigkeitsgrad.

 

So erreicht man in etwa 3000 Metern Höhe das obere Eisfeld, das, bis spät in den Sommer firnbedeckt, mit seiner 40°-Neigung die Schlüsselstelle des Aufstiegs bildet. Alternativ kann man die rot-weiß markierte Route durch die Felsen links (nördlich) des Firns erklettern (2. Grad). Oberhalb des Eisfelds gelangt man auf den obersten Südgrat des Berges, der eine kurze und unterhaltsame Kletterei an festen Gneisblöcken bietet (Stellen 1+ und 2-). Plötzlich, hinter einer Felskante, steht man dem ersehnten Gipfelkreuz (mit dem Gipfelbuch) gegenüber. Hier kann man sich zufrieden niederlassen und dem Spiel der hoffentlich harmlosen Wolken zusehen.

 

Der Gedanke an den langen Rückweg wird sich irgendwann nicht länger beiseiteschieben lassen: Auch der Abstieg – auf gleicher Route - erfordert über viele Stunden hochkonzentriertes Gehen.

 

Hinweis: Der Autor hat im Abschnitt zwischen den "Gruben" (1930 m) und der Sandraine (ca. 2520 m) die östlichen Hänge des Frankbachtals erstiegen anstelle der westlichen. Ab der Sandraine  hat  er den Aufstieg zum Frankbachkees und zum blockigen Felsrücken weiter links (nördlich) vollzogen, als es die Markierungen heute anzeigen. Die hier gemachten Angaben beruhen zwischen 1930 m und etwa 2850 m also auf Recherchen. Davon ist der obere Teil mit den alpinistischen Anforderungen jedoch nicht betroffen. Dieser verändert sich allerdings auch, und zwar mit dem fortschreitenden Abschmelzen des oberen Eisfelds.

 

 

© Ulrich Clashausen