Hochalmspitze  (3360 m)

 Aufstieg am Detmolder Grat – Abstieg über die Steinernen Mandln

 Schwierigkeit:  WS+

Hochalmspitze - Routenverlauf - Bergtour, Detmolder Grat, Steinerne Mandln, Kärnten
Die Hochalmspitze aus Sicht der Schneewinkelspitze: Vorne der Aufstiegsweg über den Detmolder Grat, hinten der Abstieg über die zwei Steinernen Mandln, die oben am Südostgrat zu sehen sind.

 

Gesamtbewertung:  WS+

Mäßig schwierige Hochtour für schwindelfreie und erfahrene Allround-Bergsteiger, ungeeignet für reine Klettersteigspezialisten. Über weite Strecken als Klettersteig, aber auch mit ein paar freien Kletterstellen und mit einer anspruchsvollen Firn-/Eispassage am Abstiegsweg über die Steinernen Mandln. Keine Spaltengefahr bei Einhaltung der Wegbeschreibung bzw. der durchgängig farbig markierten Routen. Im Einzelnen:

 

Detmolder Grat / Südwestgrat: WS+.

Recht langer, schwieriger und teilweise luftiger Klettersteig (Schwierigkeit C). Mindestens in der ersten Julihälfte noch Altschneefelder bis 40°, später apert die Route komplett aus. Keine Gletscherberührung mehr, das Trippkees wird seit der Verlängerung des Klettersteigs 2013 nicht mehr betreten.

 

Südostgrat über die Steinernen Mandln: WS+.

Die auch als Rudolstädter Weg bekannte Route enthält schwierige gesicherte Passagen (bis C), freie Kletterstellen im 1. Grad und eine im 2. Grad sowie ein sehr steiles Firn-/Eisfeld mit fast 50° Neigung, das Erfahrung und Können erfordert.

 

Ausrüstung: Klettersteigset, Helm, Eispickel und Steigeisen, im Zweifelsfall auch Seil und Abseilachter mitnehmen. Bei Blankeis im Spätsommer verlangt das Eisfeld unter den Steinernen Mandln den Gebrauch von Seil und Eisschrauben. Vor der Begehung den Hüttenwirt fragen!

 

Routenverlauf: Gießener Hütte – Lassacher Winkelscharte – Detmolder Grat (Südwestgrat) – Hochalmspitze – Südostgrat – Steinerne Mandln - Gießener Hütte.

 

Höhenunterschiede: 1170 Höhenmeter in Auf- und Abstieg.

 

Gehzeiten:  7:15 Std.   (4:15 Std. im Aufstieg, 3:00 Std. im Abstieg).

 

Anfahrt: Von der Tauernautobahn Salzburg – Klagenfurt (Katschbergtunnel) bis Ausfahrt Gmünd/Maltatal und durch Gmünd hinauf ins Maltatal. Etwa vier Kilometer hinter Malta links abbiegen in Richtung Gößgraben/ Zirmhof/Pflüglhof. Am Zirmhof vorbei und hundert Metern später erneut links abzweigen in die schmale, asphaltierte Straße zum Gößgraben. Ab der Kohlmayralm (1129 m) ist die Weiterfahrt nur in den Bewirtschaftungszeiten der Gießener Hütte gestattet und sollte auch nur mit einem geeigneten PKW durchgeführt werden. Die Straße wird steiler und der Zustand des Straßenbelags mit zunehmender Höhe schlechter. Am Parkplatz unterhalb des Gößkarspeichers (1630 m) wird geparkt.

 

Oder vom Bahnhof Spittal/Millstättersee mit dem Kärnten Bus 5132 bis Gmünd fahren und weiter mit dem Kärnten Bus 5130 bis zur Haltestelle Koschach Zirmhof (850 m; Gasthof). Ab hier zu Fuß weiter.

 

Ausgangspunkt: Gießener Hütte (2203 m); DAV Gießen-Oberhessen; Tel. 0043 / 676 / 9439142. Zu Fuß zu erreichen vom Parkplatz Gößkarspeicher (1630 m) in 1:30 Std. oder vom Zirmhof (850 m) durch den gesamten Gößgraben in 4:00 Std..

 

 

Der Wegverlauf: Auf unserem Aufstieg oberhalb der Gießener Hütte (2203 m) ignorieren wir die beschilderten Abzweige zum Winterleitenkopf und zu den Steinernen Mandln (Wegweiser „Hochalmspitze“) und halten uns jeweils links. Wir folgen dem „Schwarzburger Weg“, zunächst ohne Höhengewinn, durch immer stärker von Geröll durchsetzte Grasmatten. Der Steig führt bald wieder aufwärts und im Blockschuttgelände erreicht er eine weitere Weggabelung (2662 m). Die nach links führenden Markierungen gelten der Schneewinkelspitze.

 

Hinweis: Ein Abstecher zur Schneewinkelspitze (3016 m; sie ist erstes Zwischenziel zum Säuleck am „Detmolder Weg“) kostet aufgrund des mühsamen Geländes Kraft und Zeit, mit mindestens einer Stunde Mehraufwand ist zu rechnen. Die Überschreitung der Hochalmspitze ergibt sicher für viele bereits einen ausgefüllten Tag!

 

Über schöne, vom Trippkees geschliffene Gneisplatten, dann über kantige Blöcke steigen wir zur Lassacher Winkelscharte (2862 m) auf, wo die eigentlichen Anstrengungen beginnen.

 

Über die Blockhalden ersteigen wir mühsam den Winkelspitz (3112 m), von dem wir zum ersten Mal den Gipfel des „Hochalmer“ mit seinem Südwestgrat (Detmolder Grat) richtig zu sehen bekommen. Das Trippkees zu unseren Füßen (dort Spaltengefahr) wird seit dem Ausbau des Klettersteigs im Jahre 2013 nicht mehr betreten. Wir steigen wenige Meter in die Obere Winkelscharte ab und setzen den Aufstieg über Blöcke und Felsplatten (mäßig steil; zum Teil bis Ende Juli unter Schnee) fort, bis uns das erste Drahtseil des Detmolder Grates (ca. 3200 m) zum Steilaufstieg über fast trittlose Felsplatten zwingt (Schwierigkeit C). Wir kommen auf die Grathöhe und der Weiterweg entlang der luftigen Schneide ist leichter (B). Später erreichen kurze Passagen noch einmal die Schwierigkeit des Einstiegs (C), doch kann uns dort höchstens frühsommerlicher Altschnee noch einmal aufhalten. Am höchsten Punkt der Hochalmspitze freut man sich über den Gipfel und weiß zugleich: Erst die Hälfte der Schwierigkeiten ist geschafft.

 

Mit frischen Kräften geht es dann auf der anderen Seite etwas ausgesetzt hinab zum flachen Gipfel der Schneeigen Hochalmspitze (3346 m). Dort stoßen wir auf die Farbzeichen des Südostgrats (Rudolstädter Weg). Nach längerer Blockkraxelei sowie Gehgelände prüft eine 30 Meter hohe, steile Drahtseilpassage am „Zeiringer Eck“ (3225 m) unser Können (C). Im Unterschied zu den Angaben in manchen Wanderkarten bleiben die Markierungen in der Folge dem Südostgrat treu. Das Hochalmkees zur Linken wird also nicht betreten. Man bewegt sich entlang der Südabstürze. Einige freie Kletterstellen sind zu meistern, ein kurzer Balanceakt ohne Halt für die Hände (2. Grad) bleibt besonders in Erinnerung. Noch vor Erreichen der Steinernen Mandln übernimmt das Stahlseil (B-C) wieder die Führung. In der Scharte vor den Steinernen Mandln (3123 m) führt es nahezu vertikal auf der Südseite (also rechts) hinab (B-C) zu einem steilen Firn-/ Eisfeld. Wenn kein größerer Spalt zwischen Fels und Eis entstanden ist und das Eis noch firnbedeckt ist, sind die Verhältnisse für geübte Bergsteiger auch ohne Einsatz des Seils zu bewältigen. Trotzdem ist das Firnfeld mit seinen 45°, vielleicht sogar 50°, die Schlüsselstelle am Rudolstädter Weg.

 

Im Gletschervorfeld geht es anstrengend über Moränen- und Blockschuttgelände talwärts, auch der Wegverlauf ist unübersichtlich. Nachdem wir unweit zweier Schmelzwasserseen (2652 m) vorbeigekommen sind, wird das Gelände allmählich weniger ruppig und besser gangbar. Glücklich über die Vollendung der großen Tour kehren wir schließlich zurück zur Gießener Hütte.

 

 

© Ulrich Clashausen